Abenteuer Boden

Ein leises Knistern, ein sanftes Schaben und das ferne Rascheln von winzigen Schritten: Wenn unsere Schüler ein Bodenmikrofon tief in die Erde stecken, öffnet sich für sie eine völlig neue, verborgene Welt. Unter unseren Füßen ist es nämlich alles andere als still.

Die Kinder halten den Atem an, drücken die Kopfhörer fest an ihre Ohren und lauschen konzentriert in die Dunkelheit des Erdreichs. Zuerst hören sie vielleicht nur ein rhythmisches, dumpfes Klopfen – das ist ein Regenwurm, der sich unermüdlich seinen Weg durch den harten Boden gräbt und die Erde hinter sich zusammenschiebt. Dann folgt ein helles, fast musikalisches Knacken, wenn eine winzige Assel über ein trockenes Blatt flitzt, oder das feine Knabbern von Engerlingen, die an einer zarten Wurzel knabbern.

Für die Schüler wird das Unsichtbare plötzlich hörbar. Sie merken, dass der lebendige Boden unter ihnen wie eine riesige, geheime Stadt funktioniert, in der Millionen winziger Bewohner fleißig arbeiten, wandern und miteinander kommunizieren. Dieses faszinierende Lauschen verwandelt die Naturwissenschaft in ein echtes Abenteuer und weckt eine tiefe Begeisterung für den Schutz dieser verborgenen Welt.

Anschließend die Hände voller Erde, die Finger tief im weichen Waldboden – der Wald wird zur Werkstatt und die Bäume werden zu lebendigen Wesen.

Mit großer Begeisterung und viel Fingerspitzengefühl verwandeln die Schülerinnen und Schüler die raue Baumrinde in Kunstwerke. Aus feuchtem Lehm, dunkler Erde und duftendem Moos formen sie Gesichter direkt auf den Stämmen. Jedes Detail wird sorgsam ausgewählt: Kleine Kieselsteine werden zu funkelnden Augen, geschwungene Zweige formen ein freundliches Lächeln oder ehrfürchtige Augenbrauen, und herabgefallene Blätter dienen als wilder Bart oder dichtes Haar.

Es ist faszinierend zu sehen, wie aus einfachen Naturmaterialien ganz eigene Charaktere entstehen. Ein alter Geist, der weise auf die Lichtung blickt, ein schüchterner Waldwichtel oder ein fröhliches Naturwesen – jeder Baum bekommt seine ganz eigene Persönlichkeit. Diese vergängliche Kunst verbindet die Kinder auf kreative Weise mit der Natur und lässt den Wald für jeden, der hier vorbeikommt, ein Stück magischer werden.

 

-Sandra Numrich-